
Ausstellungsplakat |
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Als Erwin Gradmann 1953 einer Arbeitsgemeinschaft von Studierenden beider Zürcher
Hochschulen in der Graphischen Sammlung der ETH Platz für die Ausstellung: "Sie
leben heute" gewährte, hätte Richard Paul Lohse (1902-1988) genau
wie Camille Graeser und Leo Leuppi mit frühen druckgraphischen Arbeiten
vertreten sein können. Leuppi war ja mit Lohse Gründer und erster
Präsident der Allianz, einer Vereinigung moderner Schweizer Künstler.
Der Allianz-Verlag gab 1941 das Portfolio "5 constructionen + 5 compositionen" heraus,
in dem Lohse folglich auch verteten ist. Das Portfolio hatte Rudolf Bernoulli
schon im Jahr danach, 1942, für die Graphische Sammlung erworben. Die sieben
Künstler und eine Künstlerin aus Zürich, die in der eingangs
erwähnten Ausstellung vertreten waren, steuerten für den Katalog je
einen Holz- oder Linolschnitt bei. Das könnte der Grund gewesen sein, warum
Lohse sich nicht beteiligte, war damals seine bevorzugte Drucktechnik für
Künstlergraphik die Lithographie. Es sollte noch ein Jahrzehnt vergehen,
bis einzelne Blätter oder Folgen von Lohse in thematischen oder Gruppenausstellungen
der ETH integriert wurden.
Nun richtet die Graphische Sammlung der ETH Lohse und seiner Künstlergraphik
eine eigene Ausstellung ein. Das Zentrum der Ausstellung nehmen die neun Siebdrucke
und das Analyseblatt aus dem Portfolio "Vertikalen" von 1970 ein, damals von
der Galerie Renée Ziegler herausgegeben. Waren die frühen druckgraphischen
Arbeiten noch Lithographien, so sind es von 1964 an fast durchwegs Siebdrucke,
eine Technik, die von allen Vertretern der Zürcher Konkreten seit den sechziger
Jahren bevorzugt wurde, und die es erlaubt, präzise voneinander abgegrenzte
Flächen in beliebig vielen Farben zu drucken. Kennzeichnend für Lohses
Drucke ist zudem der enge formale Bezug von Malerei und Druckgraphik. Die Bestände
der Sammlung wurden ergänzt mit Leihgaben aus dem Archiv der Richard Paul
Lohse-Stiftung, dem Kunsthaus Zürich und der Galerie Renée Ziegler.
Richard Paul Lohse verdiente zunächst und noch für Jahrzehnte sein
Brot als Reklamezeichner. Die Richard Paul Lohse-Stiftung gab 2000 zu seiner
Gebrauchsgrafik eine umfangreiche Publikation mit detailliertem Werkverzeichnis
heraus. Mit der Ausstellung der Künstlergraphik ist die Ankündigung
einer Publikation der Stiftung verbunden, die diesem Teil seines Schaffens gewidmet
sein wird.
Vernissage: Dienstag, 4. September 2007, um 18 Uhr
Info: www.gs.ethz.ch